impression geschichteDas Villnösser Brillenschaf entstand bereits im 18. Jahrhundert aus der Kreuzung der alten heimischen Landschläge mit dem Bergamasker- und dem Paduaner-Seidenschaf und ist somit Südtirols älteste Schafrasse. Die typische Zeichnung um Augen und Ohren stammten vom Seidenschaf und vom Kärntner Brillenschaf, welches bereits 1844 als Seeländerschaf bezeichnet wurde. Da zur damaligen Zeit größere Schafherden zum Verkauf über die Alpen getrieben wurden, blieben kleine Bestände zurück, die sich mit heimischen Landrassen kreuzten. Die Verbreitung des Villnösser Brillenschafs liegt vor allem in den Dolomitentälern und im nördlichen Raum der Provinzen Trient und Belluno.

Verwandte Schafrassen sind:

Das Kärntner Brillenschaf, das in Kärnten vermehrt wieder gezüchtet wird. Es ist etwas kleiner als das Villnösser Brillenschaf und der Kopf ist weniger geramst. Die Zeichnung (Pigmentierung) um Augen und Ohren ist oft leicht bräunlich oder fehlt zur Gänze.

Laman: Die Rasse wird auch als Feltrina oder Lamanese bezeichnet. Es ist ein großes Alpenschaf mit gelblich weißer Wolle. Die Zecihnung um Augen und Ohren fehlen oft oder sind nur gefleckt.

Spiegelschaf: Diese Rasse gibt es nur mehr auf wenigen Betrieben in der Schweiz. Die Abstammung geht auf alte Bündnerschafe gekreuzt mit Seidenschaf und Brillenschaf zurück.

Seeländer: Diese Schaf wurde bereits im 18. Jahrhundert im ehemaligen südlichen Kärnten (heute Slowenien) eingekreuzt. Zuchtzentrum war der Ort Seeland.

Jerzesko - solcavska ovca: Es entstandaus dem Zaupel- und dem Bergamaskerschaf unter Einfluß des Paduaner Seidenschafs. Das Schaf ist in ganz Slowenien verbreitet, vor allem aber in Nordslowenien in den Steirer Alpen.

Andere Bezeichnungen: Gurktaler und Bleiburger. Beides sind Rassen, die in Kärnten beheimatet sind.

Entwicklung


Vom 18. bis in das frühe 20. Jahrhundert vermehrte sich das Villnösser Brillenschaf sehr stark im Dolomitenraum. Jeder Bergbauer hat zur damaligen Zeit Schafhaltung als Nebenerwerb betrieben. Vergleicht man z.B. den Schafbestand in Villnöss von 1950 - circa 2.500 Stück - mit heute - circa 450 Stück -, so kann man erkennen wie wichtig die Schafhaltung damals war. Das Villnösser Brillenschaf war nicht nur wegen seiner Wollqualität, sondern auch wegen seiner hochwertigen Fleischqualität geschätzt. Die feine Faserung war bei den Metzgern sehr beliebt.
Nach Auskunft alter Bauern hat dieses Schaf im Tirolerischen auch den Namen "Petschor" bekommen.


Heutiger Stand


Zur Zeit befinden sich in 115 Südtiroler Herdebuchbetrieben circa 1.000 Tiere. Der Bestand hat sich in dem letzten Jahr wieder leicht erholt. Es befinden sich noch in etwa 700 Tiere in nicht Herdebuchbetrieben, welche aber vom züchterischen nicht zu unterschätzen sind. Kleine Restbestände des Villnösser Brillenschafs gibt es in der Schweiz, Bayern und Österreich. Diese Zuchtbetriebe kaufen immer wieder neue Blutlinien bei uns nach. Der Innsbrucker Alpenzoo hält ebenso eine kleine Herde wegen der Vielfalt der Biodiversität im Alpenraum.


Zukunft


Die Schafhaltung in Südtirol erlebt in den letzten Jahren einen leichten Aufschwung. Grund dafür ist der hohe Anteil vom Nebenerwerb der Landwirte und die extensive Bewirtschaftung steiler Bergbauernhöfe. Zudem beansprucht Schafhaltung weniger Zeit als Milchviehhaltung und die Tiere befinden sich im Sommer auf der Alm. Ein leichter Zuwachs an Villnösser Brillenschafen läßt sich auf Landesebene sowie natürlich in Villnöss selber verzeichnen. Das Schaf hat eine sehr gute Anpassungsfähigkeit an die Standortfaktoren in regenreichen Bergregionen. Sie zeichnen sich mit ihren harten Klauen durch eine sehr gute Trittsicherheit aus. Dank der Nachfrage ist der Bestand in Zukunft gesichert.